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der Elefant im Raum

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Im Englischen gibt es diese Redewendung.
Sie beschreibt ganz gut das Verhalten von Menschen, die etwas Offensichtliches partout nicht wahrhaben wollen. Solch einen "Elefant im Raum" kann auch das Wissen um eine finale Krankheit sein:
Krebs, ALS, Parkinson, Demenz.

Ich bin jedesmal tief beeindruckt, wenn ein Betroffener sich nicht "vor dem Elefanten" drückt,
sondern aktiv den letzten Lebensabschnitt gestaltet.
Dieses selbstbestimmte Gestalten erfordert Mut, Gelassenheit und innere Stärke.
Über den Tod nachzudenken, bzw. alles dazugehörige zu organisieren, tut niemand gern.
Denn es ist ein Eingeständnis, dass irgendwann der endgültige Abschied kommt.
Der Sinn des Lebens wird ein Thema.

Als Pubertierender setzt man sich das erste Mal intensiv mit dem Sinn des Lebens auseinander.
Noch in der Zukunftsperspektive:
Was will ich erreichen? Wie will ich leben? Wo sehe ich mich in 5 / 10 / 25 Jahren?

Im Falle einer finalen Krankheit geht es um das Resümee.
Habe ich erreicht, was ich wollte?
Was will ich noch erreichen, in Anbetracht der Kürze der Zeit?
Was kann ich noch ändern?

Bei einem Trauergespräch erzählte mir der Witwer,
dass der Hausarzt das Diagnosegespräch folgendermaßen eröffnet hat:
"Ihre Frau kann rauchen, so viel sie will. Das ist jetzt nicht mehr entscheidend.
Doch Sie selbst (der Witwer) sollten überlegen, ob Sie nicht damit aufhören wollen.
Bei Ihnen bestehen noch gute Chancen."

Diese Ehepaar ist mit offenen Augen in die letzte Phase gegangen.
Gemeinsam haben Sie sich auf dem Friedhof beraten lassen.
Welche Bestattungsarten gibt es und wo liegen die Preisunterschiede.
Sie haben mehrere Bestatter besucht und sich die Serviceleistungen erklären lassen.
Sie haben über das gemeinsame Leben gesprochen. Nüchtern, sachlich im Angesicht des Todes.
Emotional und zärtlich im Hinblick auf ihre Liebe. Die Frau ist zuhause gestorben.
Der Krankheitsverlauf war schwer. Atemnot, eingelagertes Wasser, Schmerzen.
Doch die Frau wusste sich total geborgen bei ihrem Mann.
Beim Trauergespräch war der innere Frieden das Wichtigste.
Dass der Mann erleben durfte, dass die Liebe das Stärkste war und weiterwuchs.
Als der Tod eintrat, war es unendlich schmerzhaft - aber der Ehemann war vorbereitet.
Er wusste, dass alles organisiert ist.
Er musste keine Entscheidung treffen, die ihn im Ausnahmezustand des Todes überfordert hätte.
Er fühlte vor allem Frieden. Weil er alles gemeinsam mit seiner Frau abgesprochen hatte.
Dieser Frieden trug ihn durch die schwere Zeit der Trauer.

Beim Autofahren ist ein Erste-Hilfe-Kasten Vorschrift. Damit man im Ernstfall ausgerüstet ist.
Natürlich kann man auch ohne diesen Kasten Hilfe leisten. Improvisieren geht immer.
Doch leichter ist es, wenn man das passende Material dabeihat.
Vorsorge im Todesfall ist keine Vorschrift.
Trotzdem kann ich sie in jedem Lebensalter empfehlen.
Damit man im Ernstfall nicht improvisieren muss.

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